26.04.2026
EMAF 39 - Abschluss und Preisverleihung
Nach fünf Tagen geht heute in Osnabrück das 39. European Media Art Festival zu Ende. Wir freuen uns über das große Interesse an allen Screenings, Ausstellungen, Talks und Führungen. Allein die Eröffnung haben rund 1.000 Menschen besucht.
Am Vormittag ist beim Festival der EMAF-Medienkunstpreis des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFk) vergeben worden. Die Auszeichnung geht an José Jiménez für „Lengua muerta/ Dead Tongue“ (CL 2025, 00:24:50), der in Osnabrück seine deutsche Premiere gefeiert hat. Darin geht es um Ricardo Rifo, der im Jahr 1980 von Ingrid Olderöck, der mächtigsten Frau der Geheimpolizei während der chilenischen Diktatur, zum Hundetrainer ausgebildet wurde. Vier Jahrzehnte später irrt der Bauer durch eine unwirtliche und verwüstete Landschaft, gequält von der Unmöglichkeit, das Grauen in Worte zu fassen.
Die Jury des Verbands der deutschen Filmkritik bestand in diesem Jahr aus Masha Matzke, Ursula von Keitz und Maja Roth. In ihrer Begründung heißt es: „`I want to tell you something, but I can’t´ ist kein voraussetzungsloser Satz. Im Halbdunkel einer rauen Küstenlandschaft konkretisiert sich ein einsamer von sechs Hunden begleiteter Wanderer. Auf seinem Weg, eine Erinnerung zu finden, bleibt das Gesicht jenes Wanderers abgewendet, seine Stimme konsequent vom Körper getrennt. LENGUA MUERTA, DEAD TONGUE von José Jiménez überträgt das Noch-nicht-Sagbare in die filmische Form. Die Fragmenthaftigkeit seines Gedächtnisses verbindet sich gekonnt mit einer Schwarzweiß-Ästhetik des Bruchs und der Leerstellen.
Die Kamera von Matías Illanes führt in stofflich dichten Naturaufnahmen durch undurchdringliches Dickicht und kahle Wüsteneien, durch eine malträtierte Landschaft, in die sich anhaltend die Grausamkeit der Pinochet-Diktatur einschreibt. In der Dauer, die diese Einstellungen zulassen, wird der gewalttätige Zugriff des Menschen erfahrbar: Waldrodungen, Schiffsfriedhöfe, Schutthalden, Stottern und Hundefletschen. Bild, Stimme und Geräusche vermitteln bis in die Blickhaft einer langen statischen Einstellung hinein eine physische Präsenz, die die Spuren der Gewalt sowohl im Sujet sucht, als auch sie in die grobkörnig-rauhe Materialität der filmischen Oberfläche projiziert.“
Eine lobende Erwähnung vergab die Jury an Maryam Tafakory für „Daria´s Night Flowers“ (IR, GB, FR 2025, 00:16:00), der ebenfalls beim EMAF seine deutsche Premiere gefeiert hat. Der Film handelt von Daria, die ihr erstes Manuskript verfasst hat, in dem sie von ihrer Liebe zu einem geheimnisvollen Mädchen namens „Abi“ [blau] erzählt. Die Nachtblumen in ihrem Garten verbergen die Geheimnisse eines Landes, in dem Liebesgeschichten zu alltäglichen Tatorten geworden sind, so die Synopsis.
Die Jury schreibt: „Wie zeigen, was in der offiziellen Repräsentation nicht gezeigt werden darf? Maryam Tafakorys sinnlich-poetische Montage von Fragmenten des iranischen Kinos kreiert ein Gegenarchiv, das durch Verdichtung von Gesten und Blicken das verborgene Begehren von Frauen im Iran als auch deren brutale Sedierung und Auslöschung freilegt. In der dichten, halluzinatorischen, zärtlichen wie haptischen Textur des Films wird die gewaltsame Verinnerlichung der Zensur kunstvoll mit der Externalisierung unterdrückter Emotionen und Realitäten verwoben und sinnlich erfahrbar gemacht.“
Weder der Preis noch die lobende Erwähnung sind dotiert. Der Grund: Beim EMAF werden seit dem vergangenen Jahr die bisherigen Preisgelder gleichberechtigt unter allen 30 ausgewählten Filmen der Internationalen Auswahl aufgeteilt.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren Besucher*innen, bei den zahlreichen Künstler*innen und dem ganzen Team für das gelungene Festival!
Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsor*innen:
nordmedia Stadt Osnabrück Stiftung Niedersachsen Felicitas und Werner Egerland Stiftung Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. VGH Stiftung
sowie unseren Kooperationspartner*innen:
Kunsthalle Osnabrück Lagerhalle e.V. Cinema Arthouse Haus der Jugend hase29 BBK skulptur-galerie HFK Bremen HfG Karlsruhe Royal Academy of Art The Hague LUCA School of Arts Universität Osnabrück Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück
und unseren Medien- und Kulturpartner*innen:
Camera Austria Springerin kultur.west NDR Kultur Le Monde diplomatique der Freitag
Das 40. European Media Art Festival findet statt vom 21. bis 25. April 2027. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!