Newsletter 6: das Programm

Programm EMAF 2018

Liebe Freunde des EMAF,
seit einigen Jahren ist ein wachsendes Interesse von KünstlerInnen an journalistischen und wissenschaftlichen Arbeitsweisen zu erkennen, das sich in der verstärkten Verwendung von Formen wie Langzeit-Recherchen, Interviews, aber auch „forensischen“ Untersuchungen von aktuellen und historischen, dokumentarischen Bildern manifestiert. Auch die Konferenz des EMAF beschäftigt sich deshalb mit dem Festivalthema „Report – Notizen aus der Wirklichkeit“.
Die Entwicklung scheint auf mehrfache Krisen zu reagieren: das enorme Aufleben manipulierter und instrumentalisierter Bilder und Fakten für Propagandazwecke, eine massiv gewordene Beziehungskrise zwischen Gesellschaft und Journalismus in demokratischen Staaten, eine nicht zu bewältigende Unübersichtlichkeit an Themen und Quellen, die zudem millionenfach und sekundenschnell nicht zuletzt über soziale Medien verbreitet werden. Zudem spielen computergenerierte Algorithmen eine zunehmende Rolle in der Formierung und Steuerung von Information.
Die Panel im diesjährigen EMAF-Programm nähern sich von unterschiedlichsten Perspektiven der Frage, wie künstlerische Ansätze und ästhetische Strategien produktive und konstruktive Beiträge im Kampf um Narrative und Bildpolitik leisten und bisweilen auch ganz konkret dabei Missstände und Leerstellen beleuchten bzw. aufdecken können.
Als Beispiel wäre da das englischsprachige Panel Deep Fake or Rendering the Truth zu nennen, das am Freitag (20. April, 13 Uhr) die Konferenz in der Kunsthalle Osnabrück eröffnet. Es geht um die Fähigkeit von Computern, die Realität überzeugend zu fälschen, die immer mehr zu einem kritischen Problem wird. Der Grund: Hacker, extremistische Nachrichtenorganisationen und Politiker versuchen, die Mediennarrative durch immer überzeugendere Bilder zu kontrollieren. Vorgestellt wird auch das Video Synthesizing Obama‘ das die Möglichkeit demonstriert, eine lebensechte Darstellung von Obama in Echtzeit zu manipulieren. Teilnehmer sind Luba Elliot, Anna Ridler, Francis Hunger und Igor Schwarzmann. Kuratiert wurde das Panel von Tobias Revell und Natalie Kane. In Zusammenarbeit mit Impakt, NL.
Ebenfalls am Freitag (20. April, 17 Uhr) werden die Künstlerin Navine G. Khan Dossos und Sebastian Baden von der Kunsthalle Mannheim über das Thema Bildgewalt! – Zur Ästhetik von Bildern des Terrrors sprechen. Es geht um „Dabiq“, das Propagandamagazin, das von 2014 bis 2016 von der Terrormiliz IS über das „Deep Web“ herausgegeben wurde. Navine G. Khan-Dossos Gemäldeserie „Expanding and Remaining“ betrachtet das Dabiq-Magazin unter einer ganz anderen Perspektive. Eines ihrer Gemälde ist auch in der Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück zu sehen. Sebastian Baden ist Autor des Buches „Das Image des Terrorismus im Kunstsystem“. Das Panel wird von seiner Kuratorin Sabine Maria Schmidt moderiert. Dass Medienkunst über das Filmische und Skulpturale hinausgeht, zeigen die Performances und AV-Shows des EMAF. Dazu gehören die Live- Performances von Marco Monfardini & Amelie Duchow, Johannes Kreidler und D-Fuse / Labmeta. Sie starten Donnerstag bis Samstag jeweils um 20 Uhr im Haus der Jugend.
Die audiovisuelle Live-Performance MEMORY CODE des italienischen Duos SCHNITT kreiert eine Art virtuellen Gedächtnis-Scanner, der mit der Numerik eines Computers verbunden und in der Lage ist, abstrakte Signale zu erzeugen. Die Intention ist, dieses Projekt durch das visuelle Gedächtnis des einzelnen Zuschauers zu vervollständigen und so in ein immersives und interaktives Konzert einzubinden. (19. April, 20 Uhr, Haus der Jugend)
Johannes Kreidler ist der junge Wilde unter den zeitgenössischen Komponisten. Er gehört zu einer Generation, die in der technologischen Revolution mit der Digitalisierung aufgewachsen ist. INSTRUMENTS mit neun Sound-Video-Elementen ist nicht nur eine unterhaltsame Performance mit Musik, sondern auch ein Musiktheater über komponierten Klang und seine Beziehungen zu Gesellschaft, Philosophie und Technik. (20. April, 20 Uhr, Haus der Jugend) Tektõn ist eine fortlaufende Zusammenarbeit von Labmeta und D-Fuse, die die Materialität und Zeitlichkeit von Licht in Bewegung untersucht. Die audiovisuelle Performance wird auf zwei Leinwänden präsentiert: Eine transparente Gaze hängt vor den Künstlern mit einer festen Projektionsfläche im Hintergrund. Bilder werden durch die Gaze reflektiert und schaffen ein hypnotisches 3D-Erlebnis. (21. April, 20 Uhr, Haus der Jugend)
Hinzu kommen die Night Shifts: Mit Live Acts und DJ's wird das Glanz & Gloria in zwei Nächten zum Spielort unterschiedlicher Arten elektronischer Musik.
Weitere Infos zu der Ausstellung, Filmprogrammen und zum Media Campus INIT gibt es auf unserer homepage: www.emaf.de.
Wir freuen uns auf Euren Besuch und senden herzliche Grüße vom Team des European Media Art Festivals 2018!