Newsletter 4: die Ausstellung

EMAF 2018 - die Ausstellung

In weniger als zwei Wochen beginnt in Osnabrück das 31. European Media Art Festival.
Wir möchten Sie heute über die Medienkunst-Installationen informieren, die bis zum 21. Mai in der Kunsthalle Osnabrück zu sehen sein werden, und die von Franz Reimer und Hermann Nöring kuratiert wurden.
Auch die Ausstellung des EMAF wird sich passend zum Festival-Thema „Report – Notizen aus der Wirklichkeit“ mit der Verbindung zwischen Journalismus und Medienkunst befassen. Der Journalismus galt schließlich einst als „vierte Gewalt“, als unabhängiger und kontrollierender Beobachter. In jüngster Zeit wird allerdings zunehmend der Verdacht geschürt, er versage als neutraler Berichterstatter und folge vorrangig vorrangig den Verlautbarungen der etablierten Politik und Wirtschaft. Eine kaum durchschaubare Anzahl scheinbar Wahrheitssuchender Akteure hat begonnen, Kategorien wie Fiktion und Realität verschwimmen zu lassen. Angesichts der fehlenden Unterscheidungs- und Deutungskraft begibt sich nun ausgerechnet die Kunst auf die Suche nach der Wirklichkeit.
Die EMAF-Ausstellung will zeigen, wie künstlerische Berichte und Bilder neue Auseinandersetzungen mit der Realität eröffnen und inwiefern sie journalistische Formen übernehmen, transformieren oder widerlegen. Damit geben sie einen Ausblick auf das, was an Arbeit vor uns liegt; auf kommende Entwicklungen hin zu einem Blick auf die Realität, der uns die Komplexität unserer Welt klar vor Augen hält und trotzdem Wege aufzeigt, konstruktiv damit umzugehen.
Candice Breitz (ZA) beispielsweise zeigt in ihrer Arbeit Profile ein selbstironisches Spiel mit und über Zuschreibungen und Repräsentationen. Profile entstand als Beitrag Südafrikas für die Venedig-Biennale. Die Künstlerin tritt aus dem Selbstportrait, um Platz zu machen für zehn andere KünstlerInnen Südafrikas, die ebenfalls für die weltbekannte Biennale hätten ausgewählt werden können.
Mit Das Kongo Tribunal TRANSMEDIA gelingt es Theaterstar Milo Rau (D), Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker des Kongokrieges zu einem zivilen Volkstribunal im Ostkongo zu versammeln. Das einzigartige, transmediale Kunstprojekt thematisiert damit einen der entscheidenden wirtschaftlichen Verteilungskämpfe im Zeitalter der Globalisierung, der bereits mehr als sechs Millionen Tote gefordert hat.
Grundlage für die Arbeit Air Strike Atimah von Forensic Architecture (UK) bilden Fotos und Videos, die Menschen in einem Flüchtlingslager nahe der syrisch-türkischen Grenze gemacht und auf Social-Media-Websites hochgeladen haben. Sie zeigen Bombenwolken von einem Abwurf, dessen Ziel offenbar in der Gegend operierende al-Quida-Kämpfer waren. Bei dem Angriff wurden sechs Zivilisten getötet. Diese detailreiche kriminalistische Untersuchung von Nachrichtenereignissen hat die britische Künstlergruppe auch bei der documenta 14 gezeigt.
Weitere in der Ausstellung zu sehende Arbeiten sind
• Bomb Cloud Atlas, Forensic Architecture, UK 2017
• Rhizomat VR, Mona el Gammal, D 2017
• Expanding and Remaining, Navine G. Khan-Dossos, UK 2016
• Games Real/ Games Killer, Daniel Garcia Andujar, E 2014
• Blacklist, Christoph Wachter & Mathias Jud, CH/D 2013 - 2018
• Superfreedraw, Ralph Schulz, D seit 2010 fortlaufend
• Vremeplov/ Time Machine, Clarissa Thieme, D 1993/2003/20XX/2037/2320/2572
• Best of Luck with the Wall (variant), Garrett Lynch & Frédérique Santune, IRL/F 2017
• Boquet zur Rekonvaleszenz, Jonas Paul Wilisch, D 2015
• Breaking, Anahita Razmi, D 2016 - 2017
• N.E.W.S. // N.O.W.S., Olli Holland, D 2016
• Verortung des Unbekannten, Quadrature, D 2017