N07: EMAF 32 - die Ausstellung

News 8 März 2019

In wenigen Wochen beginnt in Osnabrück das 32. European Media Art Festival. Wir möchten Sie heute über die Medienkunst-Arbeiten informieren, die bis zum 26. Mai in der Kunsthalle Osnabrück zu sehen sein werden. Die von Hermann Nöring und Franz Reimer kuratierte Ausstellung trägt den Titel „Wild Wild Grammar“.

Sprachen ermöglichen uns, unsere Erfahrungen und Gedanken zu fassen, zu benennen, zu kategorisieren, zu deuten und uns so über sie zu verständigen. Die EMAF-Ausstellung versammelt einige internationale Setzungen der grammatikalischen Grenzverschiebungen, des freien Umgangs mit Regeln und Normen der Bild-Sprache, der Kunst und des Kunstbetriebs. Die Künstler*innen beschäftigen sich mit der Poesie und analytischen Wirkmächtigkeit von Sprache, mit den Irrungen und Wirrungen unterschiedlicher Landessprachen ebenso wie mit dem Ausdruck des Körpers oder den diversen Bildsprachen und -ritualen der Populär-Medien.

Inspiriert von den medialen Bildern, in denen Politiker in hitzigen Debatten miteinander kämpfen, überlässt Ginta Tinte Vasermane (NL/LV) zum Beispiel in ihrer Videoinstallation “Supportive Structures“ ihre fiktiven Politiker ganz sich selbst. Keinen Moment lang scheinen sie sich für ihre formale Rolle zu interessieren – wie gelegentlich ihre Kollegen aus der realen Welt verfallen sie hauptsächlich in ein absurdes Theater. Die Komfortzone bürokratischer Umgebung und gestischer Verfahren gerät ins Wanken. Scheinbar improvisierte und unberechenbare Bewegungen werden in zufälligen Räumen und Situationen fortlaufend wiederholt, wodurch die Absurditäten und tragikomischen Aspekte der menschlichen Kommunikation slapstickartig hervortreten.

Anna Witt (DE) hat für „The Radical Empathiarchy” eine Gruppe junger Leute in Leipzig bei der Entwicklung und Umsetzung eines performativen Manifests einer möglichen Jugendbewegung begleitet. Im Gespräch innerhalb der Gruppe formulieren die Jugendlichen ihre eigenen Empfindungen vorherrschender Systeme. Sie machen sich Gedanken, in welcher Gesellschaft sie gerne leben möchten und sprechen ihre Utopien offen aus. Bestehende Normen und Werte unserer Gesellschaft werden hinterfragt und dekonstruiert, um nach einer für sie als wahrhaft empfundenen Bedeutung zu suchen. Das entstandene Manifest wurde von der Gruppe in körperliche Ausdrucksformen und performative Interventionen im öffentlichen Raum übersetzt.

Die Installation „4. Halbzeit“ von Wermke/Leinkauf (DE) befasst sich mit dem Phänomen der sogenannten Ultras im Kontext gesellschaftspolitischer Aufstände, bei denen sie über die Grenzen der Fußball-Stadien hinaus getreten sind - ob im Istanbuler Gezi-Park, beim Arabischen Frühling oder den Unruhen am Maidan in Kiew. Mit ihrer eigenwilligen Ästhetik von Flaggen, bunten Hemden, eingängigen Gesängen und Trommeln füllten die Ultras die öffentlichen Räume und mobilisierten die Massen. „4. Halbzeit“ untersucht die mitreißenden audiovisuellen Strategien der Ultras und ihren unberechenbaren und schwer einzuordnenden Weg in die Protestkultur.

Folgende Arbeiten sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen:

- Studio Hallo ⟼ Ale Bachlechner, Jonathan Kastl & Felix Zilles-Perels, DE 2018

- Koorvorming ⟼ Jo Caimo, BE 2016

- Predictive Art Bot ⟼ DISNOVATION.ORG / Nicolas Maigret & Maria Roszkowska, FR & PL 2018

- Infinity Drift ⟼ Lena Marie Emrich, DE 2018

- Die Jule mit den Pizzabrötchen ⟼ Matthias Hübner, DE 2012

- Zunkstujects-Tterings ≈ The Materialist Cult ⟼ Thomas Keiser, DE 2017

- Deux Hémisphères ⟼ Tessa Knapp & Hanane El Farissi, DE 2018

- Ancientism ⟼ Hanne Lippard, NOR/DE 2013

- Curse I-XIII ⟼ Hanne Lippard, NOR/DE 2018

- No Thing / Nothing ⟼ Jens Pecho, DE 2016

- The Dust Channel ⟼ Roee Rosen, ISR 2016

- Flexible Erwartungsauffälligkeit ⟼ Catharina Szonn, DE 2018

- Always welcome (II) ⟼ Jonas Wilisch, DE 2018

Die Ausstellung „Wild Wild Grammar“ vermittelt eine wohltuende Ahnung von jenem Chaos und Potential, das durch unser Sprechen verdeckt und verdrängt wird. Sie erkundet, mit welch neuen Wörtern, Zeichen und Grammatiken sich unsere verschiedenen Sprachsysteme bereichern ließen, um unser Verständnis von Welt zu erweitern. Und wann man vielleicht auch einfach mal schweigen sollte.

Deshalb hier nur noch ein Hinweis auf unsere Akkreditierungsmöglichkeit: Sie finden sie unter www.emaf.de/de/Akkreditierung.html.

Wir freuen uns, Sie zur Eröffnung am 24. April 2019 in der Kunsthalle Osnabrück begrüßen zu dürfen und schicken

Herzliche Grüße vom Team des EMAF 2019

Anna Witt: "Radical Empathiarchy"