N01: EMAF 32 - WILD GRAMMAR

News 1 November 2018

WILD GRAMMAR ist das Thema des EMAF 2019

Noch 174 Tage! Dann beginnt das nächste European Media Art Festival in Osnabrück. Nach unserem Personalwechsel (s. Newsletter vom 24. Oktober) stecken wir mitten in den Vorbereitungen für EMAF No. 32. Jetzt steht der Titel fest: WILD GRAMMAR

Das Festival wird sich 2019 unter dem Titel „WILD GRAMMAR“ der Frage nach der transformativen Kraft der Sprache widmen. Dabei verstehen wir Sprache im weitesten Sinne als verbale und nonverbale Codes. Sprache erzeugt unser Bild von der Welt, sie prägt unsere Interaktion mit ihr und miteinander. Sie ist niemals nur Beschreibung dessen, was ist, sondern sie ermöglicht auch den Widerspruch und das widerständige Handeln gegen einen Status quo. Gerade künstlerische Sprachen haben immer wieder gegen die Vereinfachung und Verfestigung unseres Bildes von Wirklichkeit an gearbeitet: Sie haben bewusst (Un-)Sinn produziert, Widersprüche kultiviert, Hierarchien auf den Kopf gestellt und neue Codes erfunden, die uns die Welt auf andere Weise sehen und erfahren lassen: „wilde Grammatik“ als Gegen-Rede und versuchter Befreiungsschlag.

Gleichzeitig zeigt ein Blick in Geschichte und Gegenwart, wie Sprachen – auch künstlerische Sprachen – immer wieder für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Die wuchernde Dynamik und „wilde Grammatik“ etwa, die derzeit die Kommunikation in den sozialen Medien bestimmt, ist bestens dazu angetan, "gefühlte" Wirklichkeiten zu erzeugen und komplexe Erfahrungswelten in eindimensionalen Weltbildern zu fixieren. Währenddessen zeigen die sich häufenden Fälle von Zensur, dass die freie, widerständige oder auch uneindeutige sprachliche Äußerung zunehmend als Bedrohung eingestuft wird, deren unkontrollierte Verbreitung es offenbar zu unterbinden gilt.

Das Thema „WILD GRAMMAR“ geht genau diesem Widerstreit nach. Es präsentiert Werke von KünstlerInnen, die die Mittel von Film und Medienkunst im Sinne einer Poesie des Widerspruchs nutzen und damit lustvoll und energisch für neue Formen der Erfahrbarkeit von Welt plädieren. Sie greifen nicht-künstlerische Sprachen – die Sprache der Politik, der Wissenschaft, der Medien – auf, vermischen und verwirren sie und stellen ihre Wahrheitsansprüche auf die Probe. Sie nutzen das subversive Potenzial von Traum und Poesie, Paradoxie und Un-Sinn, um andere Formen von Wirklichkeit zu behaupten. Sie bewegen sich fließend zwischen privatem und öffentlichem Sprechen und Handeln und testen so die Dimensionen, Grenzen und Widerstände der Räume, in denen wir uns verbal und nonverbal artikulieren. Sie bringen neue AkteurInnen ins Spiel und machen andere Stimmen hörbar, entwickeln wagemutige Spekulationen oder nehmen sich heraus, den Ernst der Lage mit subversivem Lachen zu quittieren.

Neugierig geworden? Dann verfolgen Sie unsere Vorbereitungen in den kommenden fünf Monaten, drei Wochen und zwei Tagen – bis zum 32. European Media Art Festival in Osnabrück!