EMAF Exhibition

WILD WILD GRAMMAR

Sprachen ermöglichen uns, unsere Erfahrungen - aber auch unsere Vorstellungen über die Wirklichkeit hinaus - zu fassen, zu benennen, zu kategorisieren, zu deuten und uns so über sie zu verständigen. Seien es nun Zeichen- oder Programmiersprachen, Bild- oder Körpersprachen, Rituale oder auch der Kanon künstlerischer Ausdrucksformen – Sprache ist ein aus einem Konsens heraus entstandenes und gleichzeitig Konsens konstruierendes Zeichensystem, das vor allem auch auf einem Akt der Reduktion und des Ausschlusses beruht. Bei der Verwandlung in Sprache geht immer auch etwas aus unserer ureigenen sensitiven Erfahrung von Wirklichkeit verloren. Im schlimmsten Fall also wird unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit verkürzt; im besten Fall entwickeln sich durch unsere verschiedenen Sprachen aber auch Ideen und Vorstellungen, die über ihre Grenzen hinaus in die Wirklichkeit zurückverweisen. Es ist ein schmaler Grat, der ständig neu verhandelt werden muss.

Nun ist die Wirklichkeit selbst in keinster Weise daran interessiert, sich durch Sprache zu reduzieren, ordnen oder kontrollierbar machen zu lassen. Immer wieder bricht sie hinter der Sprache hervor und erzeugt Phänomene und Wahrnehmungen, zu denen uns die Worte fehlen. Es ist vor allem die Kunst, die uns ermöglicht, unseren Zugang zur Wirklichkeit über die Sprache zu reflektieren und zu entgrenzen – jene Wirklichkeit sichtbar und erfahrbar zu machen, die hinter der Sprache verborgen liegt.
Die Ausstellung Wild Wild Grammar lässt uns jene Grenzen spüren. Sie vermittelt eine wohltuende Ahnung von jenem Chaos und Potential, das durch unser Sprechen verdeckt und verdrängt wird. Sie erkundet, mit welch neuen Wörtern, Zeichen und Grammatiken sich unsere verschiedenen Sprachsysteme bereichern ließen, um unser Verständnis von Welt zu erweitern. Und wann man vielleicht auch einfach mal schweigen sollte.

Eine Liste der teilnehmenden Künstler finden Sie hier.

Ginta Tinte Vasermane: "Supportive Structures"